Ego Striptease
Geschrieben am 30.12.2006
Amazon-Wunschliste, Xing-Kontaktseite, Blog, Myspace- oder Studiverzeichnis-Account, das Web 2.0 macht das sogenannte "Profiling", das Erstellen eines Profils über einen Menschen, einfach. Um einiges über Till Achinger herauszufinden, reicht ein Klick bei Google. Versuchen Sie es doch einmal mit Ihrem eigenen Namen. Der Vortrag von Jule Riede-Büchele und Teemu Schaabl liefert Ansätze zum Weiterdenken. Einige habe ich selbst hinzugefügt.
Die Daten, die im Netz über uns zu finden sind, geben wir freiwillig preis. Bilder, Geburtsdatum, aber sogar den momentanen Beziehungsstatus findet man bei StudiVZ, obwohl es die Möglichkeit gäbe, zumindest einen Teil der Daten unter Verschluss zu halten.
Haben wir diese Daten überhaupt noch unter Kontrolle? Nein. Was wir im Internet veröffentlichen, wird von Suchmaschinen indiziert und kann gefunden werden. Sie bleiben auch in der Regel bestehen. Selbst wenn sie aus den ursprünglichen Seiten und ihren Archiven verschwunden sind, können sie im Cache von Google oder in Web-Archiven noch auftauchen. Natürlich machen auch Arbeitgeber davon Gebrauch - und stoßen eventuell auf private Informationen, die sie nichts angehen.
Polar Rose will in Zukunft per Plugin im Browser Personen auf Fotos für uns identifizieren. Mit steigender Bandbreite und immer besseren Algorhithmen ist eine Suchmaschine für Foto-Inhalte nicht mehr weit. Man kann also immer leichter gefunden werden.
Wie schnell sich Online-Profile aufbauen, haben Alexander Frieß und ich mit dem Projekt "Ralf Schaufing" demonstriert und als Hörspiel umgesetzt. Ralf Schaufing ist natürlich völlig erfunden (wer entschlüsselt das Anagramm?), doch hätte sich seine Lebensgeschichte noch viel weiter spinnen lassen. In aller Kürze tauchten die Informationen über ihn bei Google auf. Als eine vermeintliche ehemalige Klassenkameradin ihn in einer Flirt-Community wiedererkannte (!), haben wir das Projekt für beendet erklärt. Ein Punkt, an dem man darüber nachdenken muss, für wie wirklich wir die Internet-Wirklichkeit halten.
Schaabl empfiehlt ob der zunehmenden Verknüpfung von "Nicknames" und "Real Names" und deren Preisgabe die Verwendung mehrerer, voneinander getrennter Identitäten. Dass so etwas bei der gegenwärtigen Entwicklung der Gesetzeslage immer schwerer wird, haben Neitzel/Bendrath/Schallaböck schon am ersten 23c3-Tag in ihrem Vortrag über Identität im Web 2.0 dargestellt.
Darüber, ob GAR KEIN Google-Eintrag nun gut oder schlecht für die Reputation ist, wird im Plenum noch gestritten. Natürlich macht es hier einen Unterschied, ob es sich um einen Pearl-Hacker oder einen Bauarbeiter handelt. Jeder von uns sollte ein Auge auf seine Digitale Identität halten, seine eigenen Google-Ergebnisse hin und wieder durchsehen und die Übersicht über seine veröffentlichten Daten behalten. Hin und wieder sind es auch andere, die Daten und Fotos von mir ins Netz stellen.
Vor allem aber sollten Blogger und Social Networker ihr Denken differenzieren: Auch wenn Georg Franck Aufmerksamkeit als die Währung der Zukunft beschreibt: Aufmerksamkeit ist nur der Verweis auf einen Inhalt, und erst der wird bewertet - gut oder schlecht.
Mehr Informationen:
Privatsphäre, Identität und Anonymität im Web 2.0 - Blog zum Vortrag bei achinger.com
Vorratsdatenspeicherung in der EU - Blog zum Vortrag bei achinger.com
Steckbrief dieses Vortrags beim 23c3
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