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Uni Münster - erfolgreiche Krisenkommunikation oder Kanonen auf Spatzen?

Geschrieben am 19.01.2007

Diese Querulanten haben es mal wieder geschafft - jetzt haben die frech protestierenden münsteraner Studenten den Neujahrsempfang der Rektorin verhindert. Aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen hat sie sich zur Absage entschlossen. Eine Schande. Aber welcher Neujahrsempfang gleich noch mal? Ach der, der bisher noch keine Pressemitteilung wert war. Die Öffentlichkeitsarbeit der Westfälischen Wilhelms-Universität gibt Rätsel auf.

Das Rektorat sehe sich "nicht in der Lage, die Sicherheit der Gäste [...] zu gewährleisten", heißt es in der Pressemitteilung der Universität Münster, die als E-Mail heute auch allen Studierenden zuging. Manch einer von ihnen mag sich gefragt haben, was ihn das angeht, denn der Neujahrsempfang ist zwar feste Insitution, doch die meisten haben bisher nicht einmal davon gewusst, dass so eine Veranstaltung stattfindet. Eingeladen wurden die Studenten jedenfalls nicht. Die Vermutung liegt nahe, dass hier Stimmung gegen die "Störenfriede" gemacht werden soll.

Nach einem Aufruf zum Sturm auf den Neujahrsempfang, [Edit] von dem in der Mitteilung die Rede ist, sucht man auf der Homepage des AStA der Uni Münster vergeblich. Auch Google, Lokalpresse und Alternativmedien im Netz helfen nicht weiter. Angeblich sollen sogar auswärtige Studierende dazu eingeladen worden sein. Dass "militante Aktionen bei den Protesten nicht auszuschließen sind", hätten die Ereignisse vom Mittwoch gezeigt, heißt es weiter in der Pressemitteilung.
[Update] Inzwischen bin ich im Blog von Florian Daiber auf eine freundlich-friedliche Einladung des AStA zum Neujahrsempfang gestoßen.

Am Mittwochnachmittag konnten einige hundert Studenten durch ihre Präsenz eine knappe Mehrheit der Senatsmitglieder der Universität von einer Sitzung fernhalten und damit deren Beschlussfähigkeit verhindern. Sonst möglicherweise jetzt in Kraft tretende Studiengebühren konnten so nicht verabschiedet werden. Um in den Sitzungssaal zu gelangen, überrannten die Protestierenden die Sicherheitskräfte am Eingang. Zu weiteren Übergriffen kam es nicht, die zahlreich herbeigerufenen Polizeikräfte mussten nicht eingreifen. Draußen verfolgten unterdessen knappe 1000 weitere Teilnehmer der vom AStA einberufenen Vollversammlung die Geschehnisse.

Um vor den Demonstranten sicher zu sein, zieht sich der Senat morgen in den Vorort Handorf zurück. Dank Semesterticket werden aber auch dorthin einige Studenten dem Aufruf des AStA folgen. Die passenden Busverbindungen werden dort schon angegeben und sogar Sonderbusse eingerichtet. Auch an einer anderen Front ist der AStA aktiv: Indem sie auf die Einhaltung des UN-Sozialpakts pocht zum Beispiel.

Die Westfälische Wilhelms-Universität ist die letzte Uni in Nordrhein-Westfalen, die die Einführung von Gebühren noch nicht beschlossen hat. Noch im vergangenen Jahr, kurz vor ihrer Wahl, hatte sich die jetzige Rektorin Ursula Nelles deutlich gegen einen solchen Beschluss ausgesprochen. Genau ihr Rektorat macht nun Vorstoß in Richtung Gebühren, der auf einer Seite mit Hintergrundinformationen und Links zum Thema Studiengebühren vorgestellt wird. Unter anderem wird auch zu den Gebühren-Gegnern AStA und Aktionsbündnis gegen Studiengebühren verlinkt. Das ist sicher für das Image der Universität und den Frieden in der Alma Mater förderlicher als ein Schwarzer Peter an den AStA für den geplatzen Neujahrsempfang.
[Update] Die Uni verlinkt unter "Aktionsbündnis gegen Studiengebühren" schlampigerweise auch auf den AStA, aber vielleicht meinte sie das hier.

Dass Münster auf Dauer eine Insel im Gebührenmeer bleiben kann, erscheint unwahrscheinlich (wenn auch der AStA gerade das als Chance zur Profilbildung sieht). Aber lässt sich das nicht besser kommunizieren? Sind die Studenten tatsächlich, wie an mancher Stelle behauptet, unfähig oder unwillig zum Dialog? Oder wird dieser nur nicht auf einer Augenhöhe angeboten? Mitteilungen wie die heutige sind wohl nicht der richtige Weg, um die Lage zu entspannen.

Infos über den angeblichen Auruf zur Stürmung des Empfangs? Meinungen zur Kommunikationspolitik der Uni Münster? Gerne! Kommentar schreiben!

Update: Die Gebühren sind beschlossene Sache, und auch wenn manche von 7000 Demonstranten sprachen (Spiegel Online schätzt mit 1500 realistischer und spekuliert, dass ein Student die entscheidende Stimme abgegeben hat), hat sich letztenendes kaum noch jemand darüber aufgeregt. Mit 275 Euro pro Semester kommen die münsteraner Studenten im NRW-Vergleich noch ganz gut weg.


2 Kommentare

Von Ben am 04.03.2007, 02:14

Dialog? Willst du das wirklich mein lieber Mitbewohner? :-) Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich möglichst wenig von dem Laden höre... Alle Parteien sollen sich endlich darauf konzentrieren anständige Bedingungen in Forschung, Studium und Lehre zu schaffen. Darum muss sich die Debatte im Kern drehen. Alles andere ist meiner Meinung nach pure Selbstverwaltung, Aktionismus und Geschwätz. Das nützt keinem einzigen Studierenden konkret. Sind wir doch ehrlich, im Grunde wird an den eigentlichen Fragen, nämlich nach jenen der umfassenden Reformen konsequent vorbeigeredet. Die Blockade und der Protest sind zwar nett, das Engagement der Beteiligten in Ehren. Aber im nächsten Semester sitzen wieder über 70 Leute im Seminar und die Sprechstunden sind voll. Also: Nix gewonnen unter dem Strich. Oder? Ansonsten viele Grüße aus dem Alpenland :-)

Von Daniel am 20.01.2007, 12:46

Ja, da stimme ich dir voll zu. Diese obskure Mail hat auch mich belästigt und vor allem ein schlechtes Bild auf die Öffentlichkeitsarbeit der Uni geworfen, die unter aller Kanone ist. Die Verleumdungen gegen Studierende, die eigentlich ja die Kunden einer Universität sind, sind peinlich und anmaßend. Schlimm, dass so etwas im Namen der Rektorin passieren darf, was auch mein Bild über sie prägt. Über die "militanten Aktionen" bin ich aufgeklärt worden, die nach mehreren Beschreibungen Anwesender unisono wohl sehr harmlos waren.
Mit welch verbaler Rücksichtslosigkeit als Reaktion darauf hier gegen Studenten vorgegangen wird, ist unerhört. Eine friedlichere Studentengeneration als die unsere hat es wohl schon lange nicht gegeben (man bedenke, wie unsere Elterngeneration sich gegen "das System" aufgelehnt hat) und von eben Leuten, deren Generation in ihren jungen Jahren sehr wild war, so behandelt zu werden, ist beschämend. Die (Öffentlichkeits-)arbeit unserer Rektorin ist bislang als sehr mangelhaft einzustufen und entspricht nicht dem, was diese Uni verdient hat. Ich hoffe, dass sie in Zukunft mehr den Dialog suchen wird und diese Diffamierungskampagnen ein Ende finden.

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