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Erste Studie zur "Generation Praktikum"

Geschrieben am 06.02.2007

Hochqualifiziert, hochmotiviert, unbezahlt: Glaubt man dem gegenwärtigen Medientenor, haben junge Akademiker im Augenblick nichts zu lachen. Als Angehörige der "Generation Praktikum" hangeln sie sich von einem Provisorium ins andere und werden allerorten ausgebeutet. So weit die Schlagzeilen. Harte Fakten will eine Studie im Auftrag der DGB-Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung liefern.

Längst ist die Generation P in aller Munde, literarisch aufgegriffen unter anderem in Nikola Richters "LebenspraktikantenBild". Einzelfälle, fiktionale Überspitzung oder Normalität? Zumindest absolviert über ein Drittel der Hochschulabgänger zunäcbst ein Praktikum, 11 Prozent schieben noch ein weiteres hinterher. Die Hälfte dieser Praktika ist undotiert, die Praktikanten finanzieren ihr Leben größtenteils Unterstützung der Eltern, im Schnitt sechs Monate lang. Eine "neue Form von Übergangsarbeitslosigkeit" sehen die Autoren der Studie darin.

Laut der Studie ist die Arbeitsleistung der Praktikanten in der Hälfte der Fälle fest eingeplant, der Nutzen für einen großen Teil der Unternehmen liegt auf der Hand. Bekommen aber die Praktikanten auch etwas zurück, ein Plus an Erfahrung oder das Ticket in den bezahlten Arbeitsmarkt? Dass das Lernen im Vordergrund stand, kann nur eine Minderheit von 32 Prozent der Befragten behaupten. Und im Anschluss weiter beschäftigt wurde nur rund ein Drittel.

DGB-Vize Ingrid Sehrbrock fordert ob dieser Ergebnisse einmal mehr das Eingreifen des Gesetzgebers. Kann das eine Lösung sein? Oder ist diese Entwicklung nur ein Ergebnis des Praktika-Hypes der letzten Jahre? Wird es nicht schlicht Zeit, dass Lehrer, Hochschuldozenten und Studentenmagazine aufhören, Praktika per se als "Sprungbrett", "Karriere-Turbo" usw. zu bezeichnen und die Absolventen auf Stellensuche bei aller empfundener oder tatsächlicher Not ihren Verstand gebrauchen?

Keine Leistung ohne Gegenleistung - stimmt der Lerneffekt, ist gegen tatkräftige Mitarbeit im Unternehmen nichts einzuwenden, im Gegenteil. Eine gute Vorbereitung und eine eindeutige Praktikumsvereinbarung, in der Ziele und Verpflichtungen beider Seiten festgelegt werden, kann Frust vermeiden. Der CareerService der Uni Münster beispielsweise bietet Informationen und Beratungen an, lässt aber das Konfliktpotential etwas außen vor. Mehr findet man auf der DGB-Studentenseite "Students at work", etwa "Was tun gegen Ausbeutung".


Mehr Infos:
Kommentar: Praktikum im Schuhgeschäft
Mitteilung des DGB zur Studie
"Generation Praktikum?" - Studie der DGB-Jugend


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