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Who can you trust? - 23c3 hat begonnen

Geschrieben am 27.12.2006

Gestern Nacht betrug die Wartezeit auf Tickets eine gute halbe Stunde - wer heute morgen kurz vor der Eröffnung kam, hatte mehr Glück. Bisher kann man sagen: ein Lob auf die Veranstalter. Technisch wie menschlich funktioniert die Organisation vorbildlich. Man kann sich also voller Spannung auf die Inhalte konzentrieren, beispielsweise auf die Kick-Off-Veranstaltung um 10.30. John Perry Barlow, Mitbegründer der Electronic Frontier Foundation, beleuchtete aus seiner Sicht das diesjährige Motto "Who can you trust?".

Trust - Vertrauen, für Barlow die "Abwesenheit von Furcht", schafft Sicherheit. Vertrauen ist ein rares und wertvolles Gut. Es dauert lange, es aufzubauen, doch es lässt sich in Millisekunden zerstören, wie Barlow zuspitzt. Im Internet wird Vertrauen zu einem noch größeren Problem: Auf der einen Seite ist es noch wichtiger, weil das Internet Sphären schafft, auf die unser Rechtssystem kaum Zugriff hat, auf der anderen Seite ist es seltener, weil wir es mit diffusen und nicht verifizierten Identitäten zu tun haben. Barlow sagt, Internet-Identitäten sind "without a body, without a self".

Das "Selbst", von dem Barlow spricht, definiert er als eine Wolke von Eigenschaften und prägenden Einflüssen in einem Kontext, der sie definiert. In der Anonymität des Netzes fehlt uns diese Wolke, wenn auch soziale Netzwerke und verschiedenste Formen der Selbstdarstellung versuchen, einen adäquaten Ersatz zu schaffen. Die passende Anekdote hatte Barlow selbstverständlich auch parat: Eines Tages geriet er online in Konflikt mit Hackern der "Legion of doom". Nachdem er mit einem von ihnen am Telefon sprechen konnte, war ihm klar, dass es sich um eine an sich harmlose Gruppe von Jugendlichen handelte. Das FBI, das diesen persönlichen Zugang nicht hatte, räumte ihnen in großangelegten Aktionen wie Schwerkriminellen die Wohnungen aus.

Um einerseits durch eine greifbare Vertretung Vertrauen zu schaffen, andererseits Hacker und andere Internetuser vor ungerechtfertigten Übergriffen zu schützen, gründete Barlow die Electronic Frontier Foundation. Vertrauen kann die Hacker-Community natürlich nur schaffen, indem sie sich integer präsentiert und auch so verhält. Darauf zielte der etwas pathetische Aufruf Barlows, die wenigen, die ihre technischen Fähigkeiten in krimineller Weise nutzen, aktiv zu bekämpfen.

Was man auch als nicht-Hacker aus Barlows Vortrag mitnehmen konnte und sollte, ist das Wissen um die Fragilität von Vertrauen im Netz. Die Debatte um den Datenschutz beim studiverzeichnis, Vorbehalte gegenüber Onlinebanking und E-Commerce sind nur einige wenige Beispiele. Wer es mit Öffentlichkeit zu tun hat, sollte also online wie offline peinlichst darauf achten, vor allem eins zu sein: vertrauenswürdig.


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